Südafrika Teil 2 – Das Leben ist zu kurz für nur eine Hochzeitsreise
Teil 2: Knysna, Safari und die Sehnsucht danach
Knysna – Austernhauptstadt und Heimkommen
Unser nächster und letzter Stopp, den wir noch mit unserem eigenen Mietwagen anfuhren, war Knysna. Hier hatten wir nochmal drei Nächte und freuten uns sehr darüber. Beinahe schon hatte man das Gefühl, es könne sich lohnen, Kleider in den Schrank zu hängen.
Knysna gilt als Austernhauptstadt Südafrikas, und während meine Frau überall ihre geliebten Austern ass, sollten sie hier besonders gut sein.
Knysnas Stadtbild ist geprägt von einer etwa 20 Quadratkilometer grossen Salzwasserlagune, zwei felsigen Sandsteinklippen – den Knysna Heads –, die den Zugang zum Indischen Ozean bilden.
Wir wohnten im Bezirk Paradise oberhalb der Knysna Lagune in den THEBLOEM Guest Suites.
Paradies? Das traf auch auf unsere Unterkunft zu. Und das nicht, weil die Ausstattung unseres Zimmers ultra-luxuriös war, sondern weil das Ankommen dem Nachhausekommen zu seiner Familie glich – einer sehr liebevollen Familie.
THEBLOEM – Jossy und die Flaschenkühltasche
Wir lernten zwei Gastgeberinnen kennen. Meistens war eine von beiden am Morgen da und die andere am Abend. Hier wurde man bereits beim Einparken – am Hang – in Empfang genommen, beziehungsweise für seine Einparkkünste gelobt.
Meine Frau, die fuhr, freute sich.
Kennst du das Buch „Unreasonable Hospitality"? Darauf verstand man sich hier.
Mit Blick auf die Lagune genossen wir unser Honeymoon-Setup auf unserer eigenen Terrasse – eine kleine Flasche Champagner, Cola Zero und Erdbeeren in Schokolade. Unser Zimmer war liebevoll mit Rosenblüten dekoriert, auf dem Bett, auf dem Rand der freistehenden Badewanne. Jeden Abend fanden wir eine andere kleine Überraschung für den Turndown-Service vor.
Auf der Seite vom Bett meiner Frau lag ab der zweiten Nacht täglich eine Rose auf ihrem Kopfkissen.
Unser Frühstück wählten wir jeweils am Abend vorher, am nächsten Morgen wurde es uns auf unserer eigenen Terrasse serviert.
Der Moment mit der Flaschenkühltasche
Das absolut unvergesslichste Highlight meiner Frau, das sie so – oder so ähnlich – schon unzählige Male Freunden, Verwandten und Bekannten erzählt hat:
An unserem letzten Abend in den THEBLOEM Guest Suites folgten wir der Empfehlung unserer Gastgeber und hatten eine Reservierung im Restaurant Freshline Fisheries. Auf der Webseite des Restaurants war zu lesen, dass sie keine Ausschanklizenz für Alkohol haben. Wenn man mag, kann man sich seinen eigenen Wein mitbringen.
Die halbe Flasche Champagner, die wir am Anreisetag bekommen und die meine Frau seither nicht ausgetrunken hatte, hatten unsere Gastgeber vorsorglich mit einem Verschluss in der Minibar unseres eigenen Zimmers für uns verwahrt.
Als wir zum Restaurant aufbrachen, nahm meine Frau sie mit. Und Jossy, eine unserer beiden guten Seelen vor Ort? Sie wusste von unserer Reservierung und erwartete uns mit einer Flaschenkühltasche in der kleinen Lobby des Guest House. Am Henkel ein Schleifenband mit der Aufschrift THEBLOEM. So viel zum Thema “Unreasonable Hospitality”.
Meine Frau war schlicht hin und weg von so viel vorausschauendem Service.
Das Abendessen konnte auf dieser Welle des Glücks mitschwimmen – und die Austern auch.
Tagesausflüge von Knysna – Robberg Nature Reserve
Von Knysna aus erlebten wir insgesamt unsere schönsten und vielfältigsten Tagesausflüge. Zum Tsitsikamma National Park, nach Plettenberg Bay und zum Robberg Nature Reserve.
Letzteres war eine Empfehlung von Klaus und Martina und einfach Gold wert. Was für eine Wanderung inmitten grüner Landschaft, dazu Strand und Dünen, soweit das Auge reichte – und einige hundert Meter unter uns: Robben über Robben, die ihr „Schauspiel" aufführten.
Eine Empfehlung unserer Gastgeber in Knysna: Restaurant Enrico am Keurboomstrand. “Lunch with a View” erhielt eine ganz neue Bedeutung. Wir wollten unseren Platz in der ersten Reihe nicht mehr hergeben und vor allem wollten wir nicht aufhören zu essen.
Hier hatten einfach alle gute Laune – das Personal und die Gäste an den Nachbartischen. Ein italienischer Lunch nach unserem Geschmack, begleitet von wirklich guter Live Musik.
Safari als Finale – Kariega Game Reserve
Was folgte, war das Finale unserer Hochzeitsreise.
Einerseits wussten wir, dass sich unsere Reise dem Ende zuneigte. Andererseits war die Vorfreude, gepaart mit Aufregung, nochmal gross. Safari für weitere vier Nächte. Nach Kapstadt der zweitlängste Aufenthalt.
Unseren Mietwagen gaben wir am Flughafen Port Elizabeth ab und erwarteten unseren Fahrer, der uns ins Kariega Game Reserve in Kenton-on-Sea brachte.
Und vor allem hiess Lodge Life, Lodge Life – abgeschnitten von der Aussenwelt, was uns zunächst einen kurzen Moment der Frustration und Panik einbrachte. Zugegeben: Insbesondere mir.
Der Pool war nicht gross genug, um ordentlich darin zu schwimmen. Das Wetter war nicht berauschend. Ein Gym gab es nicht. Und eine Laufstrecke? Der Holzpfad entlang und rundherum der Glampingzelte – vermutlich nicht einmal ein Kilometer lang. Die Alternative, in Gesellschaft der Löwen zu laufen, überzeugte mich ebenfalls nicht.
Die „Not" machte erfinderisch: Home Workout hiess die Devise, wann immer man mal gerade nicht auf Safari ging, ass oder schlief.
Und ganz ehrlich: 24 Stunden später hatte man sich an diesen Rhythmus gewöhnt. Und meine Frau spricht bis heute von ihrer „Sehnsucht nach Safari".
Die Sehnsucht nach Safari
Was sie damit meint? Dieses Gefühl der totalen Entschleunigung aufgrund des vorgegebenen Tagesablaufs.
Der Weckanruf erfolgte morgens um 5 Uhr. Noch vor 6 Uhr begann der erste von zwei Game Drives pro Tag.
Der Coffee-Stop – mit Baileys – um 8 Uhr morgens inmitten der Prärie und umgeben von Tieren: Auch daran könnte sich meine Frau gewöhnen.
Gegen 9 Uhr waren wir zurück und nahmen das richtige Frühstück gemeinsam mit unserer Gruppe ein. Unser Ranger Talent – so sein richtiger Name – kam meistens dazu. Und so erfuhren wir immer noch mehr über das, was wir gesehen hatten, wie es sich permanent in so einer Lodge lebt und was er schon alles erlebt hat.
Der Rest des Vormittages plätscherte herrlich dahin. Ob mit einem Busch Walk, einer Kanufahrt auf dem Fluss des Reservats, beim Lesen, einem Nickerchen oder Home Workouts.
Am Nachmittag ging es wieder auf Safari, bis die Dämmerung und schliesslich Dunkelheit einsetzte. Unterschiedliche Tageszeiten und -licht boten unterschiedliche Schaubühnen für die Tages- und Nachtroutinen beziehungsweise -aktivitäten der Tiere – und das machte es spannend.
Das Dinner nahm man in der Regel auch mit der Gruppe ein, mit der man sich einen Jeep teilte, oder sogar in der grossen Gruppe mit allen anwesenden Gästen – so zum Beispiel am Abend des traditionell südafrikanischen Braais (BBQ).
Einmal überraschte man uns allerdings mit einem Dinner für zwei in abgeschiedener Privatheit und vor dem Kamin. Man wusste, dass wir in den Flitterwochen waren.
Das Zelt – Glamping mit Giraffen
Unser „Zelt" war, wie man sich Glamping vorstellt. Ob von der Gästetoilette, der Glasdusche oder der freistehenden Badewanne aus – immer ging der Blick ins Grüne, und man konnte in der Ferne noch Giraffen entlanglaufen sehen.
Von der eigenen, vollkommen privaten Holzterrasse aus reichte der Blick weit hinein ins Reservat. Von hier aus sah man meist nur noch Köpfe von Giraffen hinter Bäumen auftauchen oder erkannte eine rasche Bewegung, was auf ein kleines Rudel Warzenschweine hindeutete.
Am Abreisetag, während wir auf unseren Fahrer warteten, sassen wir noch ein letztes Mal auf der Terrasse der Hauptlodge. Eine letzte heisse Schokolade mit Baileys, eine letzte Cola Zero unter afrikanischer Sonne im Winter.
Von zu Hause erhielten wir Nachricht über 30 Zentimeter Neuschnee. Unseren Abschiedsschmerz linderte das nicht.
Fazit – und was wir gelernt haben
Zusammenfassend gesprochen war es die erhoffte – einmalige – Traumreise. Man möchte ewig als frisch verheiratet gelten und, wie so häufig, gerne ewig Urlaub machen.
Rückblickend hätten wir wohl die Safari auf drei Nächte verkürzt und wären dafür zwei Nächte in Hermanus geblieben. Darüber hinaus war die Route für uns perfekt.
Oft wird noch Oudtshoorn angesteuert. Hier verlässt man für kurze Zeit die Garden Route und fährt weiter ins Innere. Das wohl bekannteste Aushängeschild für diese Region: ihre Straussenfarmen.
Warum wir darüber schreiben
Eine Hochzeitsreise ist ein Ritual. Ein bewusster Moment zwischen zwei Lebensphasen. Eine Pause, in der man sich erlaubt, nur füreinander da zu sein.
Genau deshalb glauben wir bei Ritual Society, dass solche Reisen mehr sind als nur Urlaub. Sie sind Investitionen in Erinnerungen. In Momente, die bleiben.
Klaus und Martina, die ungefragt Cola Zero servieren. Jossy, die eine Flaschenkühltasche mit Schleifenband bereithält. Talent, der Ranger, der morgens um 8 Uhr mit Baileys im Kaffee auf uns wartet.
Das sind die Details, die eine Reise unvergesslich machen. Nicht die Anzahl der Sterne, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der jemand mitdenkt.
“Das Leben ist zu kurz für nur eine Hochzeitsreise. Aber wenn man eine macht, dann sollte sie genau so sein.”
Südafrika, Garden Route, November. 15 Tage, fünf Stationen: Hout Bay (Vyn Guest House), Franschhoek (Mont Rochelle), Hermanus (The Marine), Knysna (THEBLOEM Guest Suites), Kariega Game Reserve. Für Paare, die mehr suchen als Destinationen.