My Arbor, Brixen – Ein Nest in den Baumwipfeln

Südtirol. Von der Schweiz aus hat man immer das Gefühl, es sei so nah. In Kilometern ist es das auch. Die Fahrt mit dem Auto ist dennoch jedes Mal ein Abenteuer – Pässe, Tunnel, Perspektivwechsel. Und so unterschätzt man die Distanz für einen Wochenendtrip.

Südtirol ist längst zu einer echten Destination geworden. Es gibt so viele tolle Hotels. Ständig aufregende Neueröffnungen. Die Auswahl fällt schwer – oder leicht kann das Gefühl entstehen, dass man unter keinen Umständen zweimal in dasselbe Hotel fahren könnte.

Und hier sind wir schon beim Kern dieser Geschichte.

Die Recherche

Im Herbst 2023 begannen wir mit der Planung. Von einigen Hotels hatten wir gehört, kannten die Fotos, die Marketingkampagnen, den Hype. Das My Arbor kannte ich noch nicht.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – fiel unsere Wahl hierauf.

Die Webseite las sich anders. Nicht lauter, sondern leiser. Nicht mehr, sondern klarer. Schnell erkannte man: Hier geht es um Verbindung. Mit sich selbst, mit der Natur, mit Materialien, mit den Gastgebern.

Wir buchten vier Nächte im November. Was folgte, übertraf jede Erwartung.

Die Ankunft – oder: Hält das?

Seit ich ein Kind war, ist der Moment, bis man „sein" Hotel entdeckt, immer hochspannend. Ich erinnere mich an Pauschalreisen mit meinen Eltern. Bustransfer vom Flughafen, ehe man das eigene Hotel erreichte, wurden noch zig andere angesteuert. Jedes Mal dieser kurze Moment der Hoffnung – und manchmal der Erleichterung: „Nein, das ist es noch nicht."

Das letzte Stück Straße führt in Kurven auf etwa 1.000 Meter, am Westhang der Plose, dem Hausberg von Brixen. Auf dem Weg liegen noch einige Hoteleinfahrten. Und dann, zwischen den Bäumen: das My Arbor.

Wow.

Auf den ersten Blick beinahe ein wenig unheimlich. Eingebettet in ein Stück Wald wie ein überdimensioniertes Baumhaus. Lang wie ein Schiff, schwebend auf hohen, schlanken Stelzen. Die Frage stellt sich unwillkürlich: Hält das?

Der erste Eindruck – wenn eine Lobby kein Check-in ist

Die hoteleigene Tiefgarage ist über Aufzüge mit der Lobby verbunden. Was folgt, ist der für mich alles entscheidende Moment: Das Gefühl des Ankommens. Werde ich mich hier wohlfühlen?

Die Antwort kommt sofort. Ja.

Das ist keine Lobby. Das ist ein riesiges Loft mit Kamin. Alpin Chic in seiner modernsten, klarsten Form. Holz und warme Töne, soweit das Auge reicht. Und dann: Glas. Glasfronten, die das Innen im Außen wiederspiegeln. Diese unverwechselbare Landschaft Südtirols. Wiesen, Weite, raue, spitze Berge – jeder einzelne erinnert an einen Eckzahn. Die Dolomiten.

In Empfang genommen werden wir sehr herzlich an einer Rezeption, die vielmehr einem Schreibtisch gleicht. Wohlgemerkt: ein Schreibtisch in der Länge eines liegenden Baumstamms, kunstvoll geschwungen.

Und dann, noch bevor wir den Fahrstuhl nehmen, fällt uns eine Wand ins Auge. Fotos von Mitarbeitenden. Darunter kurze Texte: Was ihnen am My Arbor am besten gefällt. Wir bleiben stehen. Lesen, was Magdalena über die Ruhe der Berge schreibt. Was Camilla an der Zusammenarbeit im Team schätzt.

Solche Momente sagen mehr als jede Hochglanzbroschüre.

Der Flur – und die Frage nach den Stelzen

Ich hatte ja von einem Schiff gesprochen. Der Flur zum Zimmer ist lang und schmal. Links die Zimmertüren, rechts bodentiefe Fenster. Wer mit Höhenangst zu tun hat, mag vielleicht lieber nicht hinunter in Richtung Hoteleingang schauen.

Und da wäre ja immer noch diese Frage: Sind die Stelzen womöglich zu schlank, um das Schiff zu tragen?

Spoiler: Sie halten. Perfekt. Und man gewöhnt sich schneller daran, als man denkt.

Die Nest Suite – unser Zimmer in den Baumwipfeln

Wie in manch anderen Hotels bezieht sich „Nest" nicht auf beschränkten Raum, sondern vielmehr auf das Gefühl. Unser Nest in den Baumwipfeln. Behütet, warm und voller Intimität.

Das Tagesbett am Fenster. Der großzügige Balkon. Das Badezimmer.

Hier treffen Erdtöne, Lärchen- und Fichtenaltholz und warmer Sandstein aufeinander. Die Dusche ist mit rauen, beigefarbenen Steinfliesen ausgekleidet, die Oberfläche uneben, haptisch, ehrlich. Das Holz riecht noch. Nicht aufdringlich, aber präsent. Es ist die Art von Raum, in dem man sofort versteht, was „gutes Handwerk" bedeutet.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man in einem Hotelzimmer ist und am Abend keineswegs die Vorhänge schliessen – am liebsten im Sitzen und mit offenen Augen schlafen möchte?

Das hier ist so ein Zimmer.

Aber bevor wir das erste Mal zwischen Baumwipfeln schlafen, entdecken wir noch ein wenig das Hotel. Und es lässt schlichtweg keine Wünsche offen.

Die Bar, das Restaurant, der Spa

Die Bar. Meine Frau entdeckt ihren von nun an liebsten Aperitif, den wir zu Hause leider nie mehr so hinbekommen, obwohl der Barkeeper das Rezeptgeheimnis verrät. Das Restaurant. Der Spa.

Wir kommen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Stundenlang schauen wir uns einfach nur um, diskutieren die Architektur, das Interior und die liebevollen Details, die überall ins Auge fallen.

Hier möchte man sein und bleiben.

Das Abendessen – oder: Warum ich das Salatbuffet liebe

Das Dinner ist ein Mix aus Buffet und à la carte – der Gast wählt selbst, ergänzt selbst. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto: „We love Südtirol", „Cheat Day", wechselnde Themen, die Abwechslung und Überraschung garantieren.

Ich für meinen Teil komme beim Salatbuffet voll auf meine Kosten. Und so ein Salatbuffet habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Ja, ich bin ambitionierter Age Grouper im Triathlon und achte sehr auf meine Ernährung. Aber das hier hat nichts mit Wettkampfvorbereitung zu tun. Ich liebe einfach gutes Gemüse, frische Salate, ausgewogene Zusammenstellungen. Und dieses Buffet bietet genau das – so vielfältig, dass ich mich vier Tage lang abwechslungsreich ernähren könnte, ohne mich zu wiederholen.

Und die Oliven. Nie wieder ass ich bisher so gute Oliven.

Meine Frau hingegen findet ihr Lieblingsdessert und bestellt es jeden Tag von der Karte. Abwechslung? Nicht nötig.


Der Spa – und die beste Maniküre ever

In den kommenden Tagen entdecken wir den Spa, und auch hier kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die Pools. Der Aussenbereich. Die Saunenvielfalt. Die Tee- und Snackbar. Einfach alles ist durchdacht und hervorragend konzipiert.

Meine Frau nimmt täglich am morgendlichen Sport oder Yoga teil und gönnt sich zwischendurch ein Treatment. Als sie zurückkommt, lautet ihr Fazit: „Beste Maniküre ever."

Ich nutze in der Zeit das sehr gut ausgestattete Gym. Keine Kompromisse, keine Ausreden.

Brixen – und ein Hund, der den Weg kennt

Tagsüber entdecken wir Brixen, und wir haben einfach so ein Glück mit dem Wetter. Strahlend blauer Himmel. Dazu ein malerisches Städtchen an der Eisack.

Auf dem Marktplatz bereits Weihnachtsmarkt und wunderbare Dekoration an den Häusern, in den Bäumen – die Herzen aller Weihnachtsfans schlagen höher. Der mittelalterliche Charme, der Dombezirk, die Laubengassen und engen Altstadtstraßen. Hier scheint die Zeit stillzustehen, auf positivste und romantischste Weise.

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Spaziergang entlang des Hanges. Wenige Steigungen, stets wunderbare Aussicht. Waldböden, Feldwege, Wiesen.

Und dann treffen wir einen Hund.

Er „führt" uns. Während er Sicherheitsabstand hält und nicht den Eindruck macht, als wolle er gestreichelt werden, kennt er doch den Weg. Er wartet an jeder Abzweigung auf uns, schaut sich immer wieder nach uns um. Sobald er sicher ist, dass wir nachkommen, läuft er weiter.

Am liebsten hätten wir ihn mitgenommen. Ich schreibe in ein Facebook-Forum, um sicherzugehen, dass ihn jemand kennt, gegebenenfalls vermisst. Im Grunde sind wir aber fast sicher, dass er auf einen der umliegenden Höfe gehört und sich freiwillig immer wieder Touristen als Guide anbietet.

Es sind solche Momente, die hängen bleiben.

Die Abreise – Renate, Olivenöl und Endorphine

Die Tage im My Arbor vergehen viel zu schnell. Aber die Abreise ist ein letztes echtes Highlight.

Beim Check-out entsteht ein freundlicher „Tumult", der nochmals Endorphine ausschüttet. Während wir gemeinsam mit anderen Gästen um die Rezeption herumstehen, entwickelt sich ein euphorischer Dialog. Renate, die Eigentümerin, übernimmt höchstpersönlich die Verabschiedung ihrer Gäste.

Und so erfahren wir, dass wir nicht die Einzigen sind, die an diesem Tag in die Schweiz zurückreisen. Eine Tochter kam aus Basel und traf ihre Mutter aus Holland, um gemeinsame Quality Time in Südtirol zu verbringen. Ein anderes Pärchen ist zum wiederholten Male da und kündigt bereits den nächsten Besuch an.

Und dann überreicht uns Renate ein Fläschchen Olivenöl. Vom eigenen Hain des Hotels am Gardasee. Als wir erzählen, dass meine Eltern den Gardasee lieben, bekommen wir für sie auch gleich noch eins mit.

Als wir nach langem, euphorischem und gleichzeitig wehmütigem Abschied ins Auto steigen, sind wir einfach nur beseelt.

Beseelt von dem Gefühl, wie es nur solche Orte hervorrufen können, wo echte Leidenschaft vorherrscht. Leidenschaft für den Beruf. Leidenschaft fürs Gastgebersein. Leidenschaft für Architektur und Einrichtung.

Wir sind uns sicher: Hierher kommen wir zurück.

Wir haben einen neuen Lieblingsort gefunden.

Warum wir darüber schreiben

Das My Arbor ist kein Hotel, das man „abhakt". Es ist ein Ort, zu dem man zurückkehrt. Nicht, weil es perfekt ist, sondern weil es echt ist.

Genau solche Orte suchen wir bei Ritual Society. Orte, an denen Gastfreundschaft nicht inszeniert wird, sondern gelebt. Wo Details nicht Dekoration sind, sondern Haltung.

Manchmal findet man sie auf Listen. Manchmal durch Zufall. Und manchmal, weil man einfach liest: „Hier geht es um Verbindung."




My Arbor liegt oberhalb von Brixen auf etwa 1.000 Metern am Westhang der Plose. Architektur von noa network of architecture. Nest Suiten mit Balkon, Lärchen- und Fichtenaltholz, Naturstein. Spa mit Innen- und Aussenpools, Saunen, Treatments. Restaurant mit Buffet und à la carte, wechselnde Themen-Abende. Ideal für Paare, die Ruhe und klare Ästhetik suchen. Brixen zu Fuss oder per Auto erreichbar. November 2023.

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