Cotswolds Reise: Die schönsten Orte, Hotels und Tipps für ein perfektes Wochenende in England
Meine Mutter sagte immer, das Leben sei nicht wie bei Rosamunde Pilcher. Gemeint war damit: kein Ponyhof. Und doch, jeden Sonntagabend (lange bevor ich meinen Mann traf) sass ich vor dem Fernseher - natürlich nur wegen der Landschaft. Cornwall, versteht sich. Spätestens seit „Liebe braucht keine Ferien“ (The Holiday) und Cameron Diaz, die im Mini Cooper auf der falschen Strassenseite durch honigfarbene Dörfer kurvt und sich in den Bruder von Kate Winslet (aka Jude Law) verliebt, ist klar: Dieses Märchen existiert. Und zwar in den Cotswolds.
Also: Bucket List, Häkchen dran. Und natürlich wieder mit Katharina. Sie ist für englische Romantik mindestens so empfänglich wie ich. Ein Girls’ Weekend, wie aus dem Bilderbuch.
Ankommen in den Cotswolds: Hotel-Tipp Farncombe Estate
Unser Cotswolds Wochenende war, man glaubt es kaum, von meinem Mann organisiert. Er kennt meine Schwäche für besondere Hotels und gutes Essen nur zu gut. Und so landeten wir Ende April bei strahlend blauem Himmel (ja, wirklich, England!) nach nahezu synchronen Flügen in Heathrow, schnappten uns unseren VW T-Roc und tasteten uns vorsichtig im Linksverkehr Richtung Norden vor.
Nach knapp zwei Stunden erreichten wir Fish Hill und damit das wunderschöne Farncombe Estate. Ein weitläufiges Anwesen mit mehreren charmanten Unterkünften, familiengeführt (mit dänischen Wurzeln) und herrlich entspannt. Unsere Wahl: The Fish, genauer gesagt das Coach House. Grosszügig, gemütlich, mit Blick ins satte Grün – sofortiges Zuhause-Gefühl inklusive.
Der erste Abend? Ein Apéro auf einem Sonnendeck zwischen Bäumen und später Dinner im „Hook“: Austern, Muscheln, Bouillabaisse. Ein Auftakt, der eigentlich nur noch besser werden konnte.
Broadway Tower: Aussichtspunkt in den Cotswolds
Am nächsten Morgen: Laufschuhe an. Ziel: der ikonische Broadway Tower. Knapp 6 Kilometer, ein paar gemeine Höhenmeter – aber diese Aussicht!
Der Turm selbst wurde Ende des 18. Jahrhunderts für Lady Coventry erbaut. Sie fragte sich schlichtweg, ob man von diesem Hügel aus ein Signalfeuer bis zu ihrem Haus in Worcester sehen könnte. (Spoiler: Man kann!). Und bis heute thront er wie ein kleines Märchenschloss über den sanften Hügeln.
Und dann ist da noch diese herrlich britische Anekdote: Jahre später wurde der Turm tatsächlich im berühmten Lygon Arms versteigert. Eine Dame soll daraufhin zu ihrem Mann gesagt haben, er möge ihn doch bitte für sie kaufen. Gesagt, getan. Ganz ehrlich – wenn das nicht der Moment ist, in dem selbst meine Mutter kurz an Rosamunde Pilcher geglaubt hätte, dann weiss ich auch nicht.
Lower Slaughter statt Touristenströme
Nach einem Frühstück, das schnell zu unserem täglichen Ritual wurde (Pancakes & Avocado Toast – Balance ist alles), ging es Richtung Bourton-on-the-Water.
Doch wie so oft: Der Weg ist das Ziel. Wir parkten in Lower Slaughter – und waren schockverliebt. Für uns zählte es definitiv zu den schönsten Dörfern in den Cotswolds. Ein kleines Flüsschen (der Windrush), eine alte Mühle, Blumen in allen Farben und diese typisch honigfarbenen Steinhäuser. Frühling in England ist kein Klischee, sondern ein Ereignis.
Bourton selbst? Hübsch, ja. Aber auch: sehr touristisch. Wir flüchteten zurück auf die „public footpaths“ – diese wunderbaren Wanderwege quer durch Wiesen und Felder, vorbei an Schafen, Kühen und… Hunden. Viele Hunde.
Afternoon Tea & Hundeparadies
Zurück im Resort brachte uns ein Shuttle zum stilvollen Dormy House. Afternoon Tea im Garten, Kinder beim Verstecken spielen, ein Cocker Spaniel auf Tennisball-Jagd – mehr England geht kaum.
Und apropos Hunde: Im „Boot Room“ des Fish Hotels gibt es Gummistiefel zum Ausleihen, Hundehandtücher, Leckerlis und sogar eine Spielwiese. „Let’s get mucky“, steht da. Ich war kurz versucht, mir selbst einen Hund zu leihen.
Broadway & das Gefühl, in einem Film zu sein
Am Abend spazierten wir nach Broadway. Goldenes Licht, lebendige High Street, kleine Boutiquen – ein Ort, der sich selbst genügt. Ein Drink im Pub des Lygon Arms (ja, wieder dieses geschichtsträchtige Haus aus dem 14. Jahrhundert) und wir waren endgültig angekommen.
Schlösser, Umwege und ikonische Fotospots
Der nächste Tag führte uns erneut zum Broadway Tower (diesmal von innen), dann weiter nach Stanton und schliesslich – mit spontanem Umweg – zum Sudeley Castle. Tudor-Geschichte, prachtvolle Gärten und die letzte Ruhestätte von Catherine Parr – ein unerwartetes Highlight.
Endziel: Bibury. Berühmt für die ikonische Arlington Row – ursprünglich im 14. Jahrhundert als Wollspeicher gebaut, später zu Weber-Cottages umfunktioniert. Heute eines der meistfotografierten Motive Englands. Bei uns: leider eingerüstet. Timing ist eben alles.
Dinner & Hunde-Counting
Am Abend: Dinner im The Bull in Charlbury. Grossartig – nicht nur kulinarisch. Am Nebentisch: vier Frauen, fünf Hunde. Dazu gefühlt noch zehn weitere im Raum. Ich sagte ja: In den Cotswolds zählt man Hunde wie Schafe.
Oxford zum Abschluss (und ein smarter Tipp)
Am Abreisetag: typisches englisches Wetter. Unser spontaner Stopp: Oxford.
Pro-Tipp: Park & Ride nutzen! Besonders praktisch, wenn man von Norden kommt: Peartree Park & Ride. Für wenig Geld parkt man entspannt und fährt mit dem Shuttlebus (Nr. 300) direkt ins Zentrum – stressfrei und effizient.
Oxford selbst? Magisch. Alte Colleges, ehrwürdige Innenhöfe, die berühmte Bodleian Library – und plötzlich fühlt man sich ein kleines bisschen klüger. Ein Cream Tea im historischen Queen’s Lane Coffee House (seit 1654!) macht die Illusion perfekt.
Fazit
Die Cotswolds sind kein Klischee. Sie sind eine der schönsten Regionen Englands. Zwischen honigfarbenen Dörfern, historischen Sehenswürdigkeiten und entspannten Hotels wird schnell klar, warum sich ein Wochenende hier wie eine kleine Auszeit in einer anderen Welt anfühlt.
Und ja: Ein bisschen Rosamunde Pilcher ist es vielleicht doch.
Nur mit deutlich mehr Hunden.